2015


Tagebuch aus dem Chileprojekt 2015

 

Freitag, 23.10.2015Rückblick

In 2 Stunden und 35 Minuten werden wir laut Flight Tracking wieder europäischen Boden unter unseren Füßen haben, am Amsterdamer Flughafen. Dann ist sie vorerst vorbei unsere Chilereise, auf die wir uns so lange vorbereitet haben. Mittwoch Abend beim gemeinsamen Essen im Stadtteil Bella Vista von Santiago war die Meinung einstimmig – wir fahren einfach wieder zurück mit dem nächsten Bus nach La Serena, denn es war zu kurz, zu schön und bereichernd um schon zu enden. Vorbei ist sie endgültig heute Abend, wenn uns Deutschland mit unserer Familie, Freunden, unserer vertrauten Kultur und unserem Alltag, mit unserer Muttersprache, aber auch mit seinen winterlichen Temperaturen wieder in Empfang nimmt. Aber sie ist es doch nicht endgültig – unsere ganzen Erlebnisse, Erfahrungen mit der chilenischen Kultur, besser gesagt, Kulturen, dem Alltag in La Serena und Coquimbo bleiben uns für immer. Wenn wir heute Nacht im heimischen Bett die Augen schließen und später von Chile erzählen, dann sind die Gerüche der Straßenstände, die Geräusche der klapperigen Microbusse und des Radios im Colectivo wieder lebendig. Situationen fallen uns wieder ein, in denen wir über Verschiedenheit gestaunt haben und Gemeinsamkeiten entdeckten. Wir werden erneut lachen über Versprecher, ausgelöst durch die Herausforderung, sich plötzlich in einem fremdsprachlichen Kontext zurechtfinden zu müssen. Der Chilenismo hat sich eingeschlichen in unseren Wortschatz. Ab jetzt wird sich mit sipo, palta, igualpo und bacan eine Vielzahl von Situationen, Erlebnissen und Gefühlen verbinden, die zu unserer Erinnerung gehören. Die Menschen, denen wir in den Projekten begegnet sind, die Kinder in Huachalalume, die Fischer im Hafen von Coquimbo, die Senioren in der Fundación de las Rosas und die Kleinkinder im Hogar Redes, sie alle haben uns Emotionen mitgegeben und unseren Horizont bezüglich verschiedener Lebenswirklichkeiten erweitert. Unsere Gastfamilien und die neu gewonnenen Freunde und Lehrer aus dem Colegio Alemán haben uns nicht nur einen herzlichem Empfang bereitet sondern uns auch mit vielen Einladungen und individuellen Ausflügen bereichert.

Erst im Rückspiegel wird uns auch die Vielfalt und der Umfang der Projektarbeit so richtig bewusst. Wir haben gemeinsam viel erreicht. In der kleinen Grundschule von Huachalalume haben wir den großen Zaun zum Schutz des Geländes entrostet, mit Antikorrosiva und schließlich mit neuer Farbe versehen. Die Betonmauer haben wir gemeinsam mit den Kindern mit Mapuche- und Diaguita Symbolen verschönert. In der Bibliothek, die jetzt als Klassenraum verwendet wird, wurden mit Hilfe ansässiger Handwerker neue Türen eingebaut. Die alten Türen waren aufgrund des häufigen Nebels in der Region verfault und instabil. Durch die neuen massiven Türen ist es insbesondere in den Morgenstunden nicht mehr so eisig kalt. Jedes der 42 Schulkinder erhielt von uns ein Schulpaket mit Schulmaterial. Die Spendenaktion hierzu war eine Initiative von Leandra und Clara zum Sommerfest unserer Schule. Zudem wurden Lehr- und Lernmaterialen von uns besorgt.

In der Fundación de las Rosas, einem Heim für Demenzkranke, haben wir drei große Wände, insbesondere die Quarantäne-Station neu gestaltet. Zudem kauften wir farbenfrohe Decken und Kissen für die einzelnen Zimmer.

Coquimbo hatte der Tsunami am stärksten getroffen, der gesamte Küstenstreifen mit allen Einrichtungen ist praktisch vernichtet. Hier haben wir einer Fischergemeinschaft aus 12 Familien, die ihre Stände und ihr Restaurant verloren haben, einen neuen großen Tisch, Stühle und neue Kochplatten zur Unterstützung des Neuanfangs gekauft. Auch der Hafen in Coquimbo wird wieder aufgebaut und dies benötigt alle Kräfte. Etwa hundert Arbeiter, die aus den ansässigen Fischerfamilien stammen, müssen täglich verpflegt werden. An einem Tag haben wir die Versorgung für sie übernommen und über hundert warme Mahlzeiten zubereitet. Dabei stand nicht nur das Mittagessen im Vordergrund, sondern vorallem auch die Begegnungen, die Gespräche und Ausstrahlung von Hilfe und Zuversicht. Die Hafenarbeiter und Fischer waren von unserem Engagement sehr berührt, denn nach der Katastrophe fühlten sie sich oft allein gelassen.

Eng mit dem Erdbeben und dem darauf folgenden Tsunami verbunden, ist das Schicksal des Hogar Redes, einem Kinder- und Waisenheim mit Säuglingsstation. Auch in diesem Jahr unterstützten wir den Hogar Redes, der aufgrund der Evakuierung jetzt in Coquimbo provisorisch untergebracht ist. Für die Versorgung der Säuglinge kauften wir dringend benötigte 2000 Windeln und 1500 Einheiten Muttermilch-Ersatz und Spezialnahrung für unterernährte Kinder.

Wir sind dankbar für diese vier Wochen voller interkulturellem Lernen und eine Zeit der Abwechslung, der inneren Bewegung, der Bereicherung. (Mandy)

 

Mittwoch, 21.10.2015

Am Anfang hatten wir kaum unsere so lang erwartete Ankunft realisieren können, und nun fällt es noch schwerer, uns einzugestehen, dass der Abschied von Chile naht. Am Morgen frühstückten wir zum letzten Mal in unseren Gastfamilien, und während einige bereits zu diesem Zeitpunkt Wehmut verspürten, liefen bei Anderen erst nach den endgültig letzten Worten und Umarmungen die Tränen. Viel Zeit, traurig darüber zu sein, die so ins Herz geschlossenen Menschen verlassen zu müssen, blieb jedoch nicht. Zuerst folgten wir der Panamerikana abermals auf einer siebenstündigen Busfahrt, die aufgrund der beeindruckenden Landschaft vor den Fenstern aber nicht langweilig wurde, dann kamen wir in der Millionenmetropole Santiago de Chile an. Vom Busbahnhof ging es mit der Metro zum Hostel – eine Herausforderung, da der Großteil der 10 Millionen Einwohner Santiagos diese täglich benutzt. Bei all dem Schubsen und Drängeln, ist es gar nicht so einfach, alle 24 Schüler in dieselbe U-Bahn zu bekommen. Nachdem wir uns wohlbehalten und vollzählig in unserem gemütlichen Hostel eingerichtet hatten, machten wir uns auf den Weg, die Stadt ein wenig zu erkunden. Wir besichtigten hübsche Märkte, die riesige Kathedrale am Plaza de Armas, den Regierungspalast, La Moneda und genossen nach unzähligen Stufen den Ausblick vom Cerro Santa Lucia auf die Stadt und die schneebedeckten Anden. Später am Abend wurde uns vom verbliebenen Geld noch ein gemeinsames Essen in schönem Ambiente gesponsert. Zum Abschluss saßen wir noch in unserer Unterkunft zusammen, und erhielten jeder von Frau Liebetrau und Martin ein kleines Überraschungsgeschenk. 😉 Mit vielen tollen Erfahrungen und Erinnerungen im Gepäck, geht es also morgen früh zum Flughafen. Adiós y gracias Chile! (Constanze A., Constanze H. und Mara)

 

Dienstag, 20.10.2015

Zwischen Lachen und Weinen – wieder ein Tag voller Emotionen. Der heutige Tag begann zunächst im neuen Kindergarten des Colegio Alemán. Unter der Einweisung von Frau Sylvia, einer gebürtigen Deutschen begaben wir uns in die einzelnen Gruppenräume. Einige gingen zu den Sonnenblumen, andere zur Gruppe der Kafer. Ja richtig – Kafer, das „ä“ war den kleinen Chilenen abhanden gekommen 😉 Schnell wurden wir alle mit in die jeweiligen Aktivitäten eingebunden. Türme bauen, Malen und Zöpfe flechten standen hoch im Kurs bei den Schulzwergen. Es machte einfach einen riesen Spaß. Anschließend erhielten wir noch eine Führung durch das erst in diesem Jahr fertig gestellte Gebäude. Um 11 Uhr brachen wir nach Huachalalume auf – ein letztes Mal für diese Reise. Wir wurden schon sehnlich erwartet von den Schülern, denn heute sollte gefeiert werden. Zur Convivencia – einer gemeinsamen Abschlussfeier – hatten sich die Schüler herausgeputzt und ein Programm einstudiert. Gedichte über Freundschaft und Gemeinschaft wurden vorgetragen, traditionelle Tänze der Region in aufwendigen Kostümen vorgeführt. Und dann mussten auch noch einige von uns ran und mittanzen. Ein Spaß, insbesondere für alle Zuschauer. Am Ende erhielten alle 42 Kinder ein von Leandra und Clara zusammengestelltes Schulpaket mit Schreibutensilien. Nach der Übergabe von Lehr- und Lernmaterialien, die wir für das Colegio besorgt hatten, erhielten wir noch kleine Geschenke. Das anschließende Mittagsbuffet hatten die Mütter der Kinder vorbereitet. Es gab traditonelle Speisen wie Empanadas und Maisfladen. Der Abschied fiel uns allen sehr schwer. Am liebsten hätten wir alle in den Bus gepackt und anschließend in unseren Koffer.

Am Nachmittag wartete für alle Sportbegeisterten noch ein besonderes Highlight. Die U17 Weltmeisterschaft im Fußball findet in diesem Jahr in Chile statt. Am zweiten Spieltag trafen in der Gruppe B England und Brasilien aufeinander. Etwa 8.200 chilenische Fans und ein großer Teil unserer Gruppe erlebten im nagelneuen und schönen Estadio La Portada in La Serena eine interessante Partie. Nachdem die Engländer in ihrem ersten Spiel mit 1:1 gegen Guinea einen Punkt holten, war die Mannschaft von Brasilien nach dem 0:1 gegen die Republik Korea heute wirklich gefordert. Nach einer kurzen defensiven Anfangsphase nahm die Seleção das Zepter in die Hand. Zwar hatten die Engländer drei sehr gute Chancen, die sie jedoch vergaben und so zirkelte der Brasilianer Leandro in der 67. Minute einen Traum-Freistoß aus 25 Metern über den linken Innenpfosten in den Kasten. Auch wenn England das Spiel am Ende nochmal spannend gestaltete, holten die Brasilianer bei dieser WM damit ihre ersten drei Punkte. Interessant war für uns der Austausch mit den chilenischen, meist jungen Zuschauern. Viele von ihnen sind sehr Fußballbegeistert, wussten jedoch auch nicht so genau, für welche der beiden Mannschaften sie eigentlich sind. Als wir ihnen nach einer Weile gesagt haben, dass wir aus Deutschland kommen, war für sie auf einmal klar, welches Team Vizeweltmeister werden soll 😉 (Mandy und Martin)

 

Montag, 19.10.2015

Von den eingegangenen Tsunami-Spendengeldern konnten wir heute früh mehr als 2000 Windeln und zu den 500 nochmals 1000 Einheiten Spezial-Ersatzmilch für die Säuglinsstation des Hogar Redes in Coquimbo kaufen. Die gesamte Einrichtung musste nach dem schweren Erdbeben (8,4) vom 16.9.2015 schnell evakuiert werden. Nur 10 Minuten betrug der Abstand zwischen dem Beben und dem Tsunami. Schwester Rosina, die Leiterin des Kinder- und Waisenheims sagte uns, es sei ein Wunder, dass alle diese Katastrophe überlebten. In Windeseile haben sie die 25 Säuglinge mit drei Privatautos evakuiert. Mit den Kleinkindern rannten die Schwestern den Berg hinauf. Jetzt muss dringend Land gekauft werden, um die Station etwas höher gelegen in der Sicherheitszone wieder aufzubauen. Die provisorische Notunterkunft platzt aus allen Nähten. Die Säuglinge leben auf engstem Raum, Krankheiten können sich dadurch schnell ausbreiten. Um die Babys trotz dieser enorm schwierigen Situation ausreichend versorgen zu können, haben wir heute Abend die Hilfsgüter als Sofortmassnahme übergeben. (Mandy)

 

Montag, 19.10.2015

Nachdem sich alle von der Bootsfahrt erholt hatten, gingen Montag alle wieder in die Schule. Anschließend fuhren wir erneut nach Huachalalume. Wir strichen den Zaun fertig und verschönerten ein Kinder-Spielhaus auf Wunsch der Kinder mit großen Mengen pinker Farbe. Der Arbeitstag in Huachalalume endete mit einer Aufführung der Kinder, welche den Lehrern gewidmet war und im Zuge des „Dia de Profesores“ dazu diente, den Lehrern für ihren Einsatz und ihr Engagement Danke zu sagen. Die Vorstellung beinhaltete einen Gedichtvortrag, das Singen eines Liedes und mehrere Tänze, welche mit voller Konzentration und viel Hingabe vorgetragen wurden und sehr süß waren. Nachmittags ging ich mit meiner Gastfamilie ein letztes Mal in die Stadt und anschießend zum wunderschönen und immer wieder beeindruckenden Sonnenuntergang zum Strand, an dem die Silhouette vom Coquimbo mit dem Kreuz einen ganz besonderes Bild bot. Abends lud meine Familie zum Barbeque mit großen Mengen Fleisch und Muscheln, welche ebenfalls auf dem Grill gebraten wurden. Diese bereitete ein Freund der Familie zu, welcher mehrere Jahre als Koch beim Militär arbeitete. Die Muscheln wurden teilweise mit Käse überbacken und mit Zitronensaft und Salz gegessen. Diese schmeckten, genauso wie das Fleisch und der dazugehörige Avocado Salat unfassbar gut und wurden zu großen Mengen gegessen. Der Abend endete mit lauter Karaoke an der vorher aufgebauten Anlage mit Mikrofon und sowohl englischen, chilenischen und auch einen deutschen Lied. (Jonas)

 

Sonntag, 18.10.2015Tour Isla Damas

Nach einer sehr kurzen Nacht fuhren wir am Sonntag endlich zu den Isla Damas, da der geringere Wellengang heute die Fahrt ermöglichen sollte. Wir trafen uns um 7:45 Uhr alle am Colegio, um anschließend mit 2 Bussen zu dem kleinen Hafen zu fahren, wo die Boote schon auf uns warteten. Nachdem wir uns auf 2 Boote aufgeteilt hatten, ging die wilde und extrem nasse Fahrt los. Es war ein sehr hoher Wellengang und so kamen wir alle pitschnass auf der Insel an. Dort zogen wir zuerst unsere nassen Sachen aus, um diese zum trocknen auf die großen Steine zu legen. Anschließend hatten wir eine Stunde Zeit, um uns jeder die wunderschöne Insel anzuschauen. Dabei fanden wir viele schöne Muscheln und sahen tolle Blumen. Die eine Stunde war leider viel zu kurz und so stiegen wir alle etwas traurig wieder in unsere Boote. Nachdem wir unsere Schwimmwesten angeschnallt hatten, fuhren unsere Bootführer los, um nach den versprochenen Pinguine zu suchen. Nach kurzer Zeit sahen wir zuerst Kormorane, Möwen, Pelikane und schließlich auch Pinguine. Nachdem wir diese eine Zeit lang beobachtet hatten, fuhren wir weiter, um nach Delfinen zu suchen. Zuerst dachten wir, wir würden an diesem Tag keine mehr sehen, doch nach einer ganzen Weile, tauchten 2 Delfine auf. Da diese weiter weg waren, fuhren wir näher heran, um diese besser beobachten zu können. Schließlich tauchte eine ganze Herde auf und schwamm neben dem Boot. Das war für uns das Highlight des Tages, denn keiner von uns hatte Delfine bisher so nah gesehen. Nachdem die Delfine weggeschwommen waren, fuhren wir weiter. Jetzt fehlten nur noch die Robben, welche wir auf dem Rückweg zum Hafen schlafend auf den Felsen entdeckten. Auch Seelöwen waren darunter. Besonders die Babyrobben fanden wir sehr süß. Auch eine kleine Meerkatze kam sehr nah an unser Boot herangeschwommen. Somit hatten wir eine Menge einheimischer und größtenteils bedrohter Tierarten gesehen. Nun fuhren wir zurück zum Hafen und waren froh, dass alle heil und unversehrt wieder im Bus saßen. Es waren zwar alle unversehrt, doch hatten wir großen Hunger und so fuhren wir zu einem Campingplatz in der Wüste, wo es ein niedliches Restaurant gab. Das Essen war extrem lecker und die Leute dort sehr freundlich. Nach dem dem Essen hatten wir eine Stund Zeit, um uns das Gelände näher anzuschauen. Dabei trafen wir auf einen Hund, welcher sehr verspielt war und einigen von uns Angst machte, da er biss und an uns hoch sprang. Wir fanden auch ein Trampolin, eine Slackline, Tischtennisplatten und viele Hängematten, welche mit großer Freude genutzt wurden. Die Zeit verflog schnell und wir stiegen wieder in den Bus, um pünktlich am Colegio zu sein. Auf dem Weg dorthin sahen wir in der Wüste mehrere Herden von Guanacos und auch einen Wüstenfuchs, der für uns posierte, sodass wir tolle Fotos machen konnten. Außerdem machten wir einen kurzen Stop in der Wüste, da uns der Busfahrer einige Wüstenpflanzen zeigen wollte. Wir machten das typische Klassenfoto vor einem Kaktus und sahen eine Vogelspinne, was bei einigen Mädchen zu lauten Geschrei führte. Nachdem wir wieder im Bus saßen, beschlossen wir das Radio anzumachen, welches aber schnell wieder ausgeschaltet wurde, da chilenische Schlager und Schnulzenlieder liefen. Daraufhin gab uns der Busfahrer einige CD’s und wir entschieden das ABBA die beste Wahl war. So fuhren wir mit lauter Musik und guter Laune im Richtung Colegio. Die Stimmung im Bus war so gut, dass selbst der Busfahrer mitsang und eine kleine Performance hinlegte. Pünktlich um 8 Uhr kamen wir am Colegio an, wo schon unsere Gastfamilien auf uns warteten. Wir hatten einen wunderschönen und erlebnisreichen Tag, der uns für immer in Erinnerung bleiben wird. (Juana und Blanca)

 

Samstag, 17.10.2015

Chile liegt ja bekanntlich am Meer und während Deutschland schon mit den ersten Schneefällen zu kämpfen hat, lassen sich hier bereits die ersten Ausläufer des Sommers genießen. So schien diesen Samstag bei angenehmen Temperaturen die Sonne – perfekte Bedingungen für einen Ausflug zum Strand. So machte man sich also zu einem der zahlreichen Badestrände rund um La Serena und Coquimbo auf und dann ging es in die Fluten. Der Pazifik gilt das ganze Jahr über als sehr kalt und davon konnte man sich gleich ein Bild machen: frische 12 Grad schlugen einem entgegen. Doch wer in Deutschland in der Ostsee baden geht, für den ist das sicher nichts neues. Lediglich die hohen Wellen gibt es dort nicht so regelmäßig wie hierzulande. „Nur kurz mit den Beinen rein“, wie sich das manch einer überlegt haben mag, war daher kaum möglich. Nach dem Baden entschädigte jedoch die wärmende Sonne und das Gefühl eines Strandtages, während man in der Heimat nun bei Temperaturen frieren müsste, die jenseits der Wassertemperaturen des Pazifik liegen. (Daniel)

 

Samstag, 17.10.2015

An diesem schönen Samstag entschieden sich auch einige von uns fuer eine Tour durch die schneebedeckten Anden. Der aussergewöhnliche Regen von Mittwoch in La Serena brachte oberhalb von etwa 2000 Meter viel Schnee, ein seltenes Ereignis in diesem Gebiet. Die Region leidet seit neun Jahren unter extremer Trockenheit. Die Wasserreserven für La Serena/Coquimbo wären ohne diesen Regen im Januar aufgebraucht. Bei 30 Grad im Valle de Elqui ist der Kontrast zu den eisigen Gipfeln sehr beeindruckend. (Mandy)

 

Freitag, 16.10.2015

Heute feierten die Schulen in La Serena den dia de los profes. Die Schueler schenkten ihren Lehrern Blumen und kleine Aufmerksamkeiten. Im Anschluss an den verkürzten Unterricht machten sich alle Lehrer des Colegio Aleman auf den Weg zu einem nahe gelegenen Restaurant und genossen ihren Tag. Am Nachmittag haben uns einige Schüler zum Cruz de tercero milenio in Coquimbo begleitet. Durch verwinkelte Gassen gingen wir direkt vom Hafen auf die höchste Erhebung der Stadt. Bei diesem steilen Weg kann man im Kontrast zu den Feierlichkeiten des Vormittags die Auswirkungen von Armut besonders wahrnehmen. Überfluss und Mangel trennen nur wenige Kilometer. (Mandy)

 

Donnerstag, 15.10.2015

Wir möchten uns für die bisher eingangenen Spenden herzlich bedanken. Die enorme Ressonanz hat uns sehr erfreut. Heute haben wir die ersten 500 Einheiten Muttermilch-Ersatz für ein Kinder- und Waisenheim, welches durch den Tsunami geräumt werden musste, von dem Spendengeld gekauft und am Abend übergeben. Die Schwestern des Hogar Redes müssen jetzt viele Säuglinge in einer Notunterkunft versorgen. Dieses Heim haben wir bereits in unserem Projekt 2012 unterstützt. (Mandy)

 

Donnerstag, 15.10.2015

Nachdem wir den gestrigen Tag wegen des dollen Unwetters, meist Zuhause verbrachten, freuten wir uns umso mehr auf die Projekte. Heute ging eine Gruppe zum ersten Mal nach Coquimbo, in die Nähe des Hafens, um dort den Tsunami-Opfern und Hafenarbeitern mit einer warmen und leckeren Mahlzeit zu helfen. Zuerst mussten alle mithelfen, die Lebensmittel zuzubereiten, was eine echte Herausforderung war. Denn nicht nur stumpfe Messer, sondern auch die knallende chilenische Sonne brachte uns an unsere Grenzen. Doch gemeinsam wurde alles zubereitet und kurze Zeit später verströmte bereits ein leckerer Geruch aus der kleinen Küche. Das Essen wurde schon sehnsüchtig erwartet und mit viel Freude und Appetit gegessen. Leider kamen nicht nur die Hilfebedürftigen, sondern auch diejenigen, die diese Möglichkeit schamlos ausnutzten eine Mahlzeit kostenlos abzuholen. (Anm. d. Red.: z.B. zwei Japaner, die dachten, das Essen sei in ihrer Tsunami-Foto-Safari inclusive) In der Klasse brach daraufhin eine heftige Diskussion aus. Dadurch dass nicht alle zu der Küche und zu uns kamen, gingen manche von den Schülern umher, verteilten Essen und Trinken. Das schönste was man davon bekam, war ein warmes Lächeln und ein großes, aufrichtiges Dankeschön. Insgesamt konnten wir über 100 Mahlzeiten ausgeben. Als es sich dann dem Ende zuneigte, gingen viele zu der nahe gelegenen Hafenanlage. Dort hatte man einen schönen Blick auf La Serena und konnte zwei Seelöwen im Wasser beobachten. Anschließend fuhren viele mit dem Bus, zurück zur Schule. Mein persönliches spannendes Erlebnis war, das Fahren mit einem typischen Nahverkehrsbus. Es ist vollkommen anders als in Deutschland. Es gibt keine typischen Haltestellen, jeder kann ein- und aussteigen wo es ihm gefällt. Manchmal etwas aufregend, aber eine wahnsinnig spannende Erfahrung. Man sollte aber darauf achten, rechtzeitig auszusteigen. Die anderen Mitschüler, die den Tag in Huachalalume verbracht hatten, spielten viel mit den Kindern und vollendeten die angefangen Projekte. Wer nach so einem anstrengenden und dennoch spannenden Tag nicht abends erschöpft ins Bett fällt, hat nicht ordentlich mitgemacht ;-). (Luise)

 

Mittwoch, 14.10.2015

Mittwoch, viel zu früh, Zeit zum Aufstehen, so verdammt müde… Irgendwann der Blick aus dem Fenster und dann dieser ungewohnte Anblick: Regen strömt vom Himmel, auf den Straßen bilden sich schon die ersten Sturzbäche. Was in Deutschland vermutlich im schlimmsten Fall zu einem genervten Aufstöhnen führen würde, ist für die Chilenen ein aufregendes und seltenes Spektakel, das entweder Frieren im Klassenraum, Autofahren durch überschwemmte Straßen, oder aber im besten Fall schulfrei bedeutet. Auf Nachfrage bestätigte sich unsere Vermutung: die Anzahl der jährlichen Niederschläge beschränkt sich im Norden von Chile auf ein sehr geringes Maß. Manche sprachen von durchschnittlich nur 3 Regengüssen in den vorangegangen Jahren. Für uns Deutsche unvorstellbar. Als schließlich sogar von zu Hause bleiben die Rede war, mussten wir doch nachfragen. Zum ersten Mal hörten wir die Begründung für eigentlich Alles an diesem Tag: ES REGNET!!!!! Einige Familien machten sich jedoch trotzdem auf den beschwerlichen Weg durch überschwemmte Straßen zur Schule. Als der Unterricht beginnen sollte, beschränkte sich die Anzahl der anwesenden Schüler allerdings gerade mal auf 5. Es befanden sich sogar mehr deutsche Schüler im Klassenraum, als chilenische. Nachdem der Lehrer noch weitere zehn Minuten auf hoffentlich noch eintreffende Schüler wartete, die allerdings nicht kamen, begann der Unterricht. Es sollten Arbeitsblätter zur Berufswahlsorientierung ausgefüllt werden, doch der Regen war viel interessanter. Sie standen ständig auf, gingen zum Fenster (für uns längst nichts Ungewöhnliches mehr) und schauten hinaus oder setzten sich gleich in die Nähe, um den Regen besser im Blick zu haben. Von vereinzelten Schülern hörte man sogar: tengo miedo (ich habe Angst) Es schien so, als könnte Chile mit allem fertigwerden: Erdbeben, Tsunami… Aber gerade ein wenig Regen überforderte Alle völlig. Nach den ersten drei Stunden ging es für uns normalerweise auf direktem Weg in die Sozialprojekte, doch stattdessen bekamen wir die Anweisung, im Unterricht sitzen zu bleiben, denn es REGNETE ja 😮 Als jedoch schließlich das Wasser in die Klassenräume der ersten Stockwerke zu fließen begann, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Endlich die Entscheidung, auf die alle insgeheim schon seit Beginn dieses Tages gehofft hatten: SCHULFREI. Wir deutschen Schüler konnten uns das Schmunzeln nicht mehr verkneifen, so skurril erschien uns die gesamte Situation. Aufgeregt plappernd wurden anschließend die betreffenden Klassenräume verlassen, um sich auf die weiter oben gelegenen Räumlichkeiten zu verteilen und auf die schon bald eintreffenden Eltern zu warten. Wurden Selfies mit dem Regen gemacht? Massenhaft. Wurde uns verboten, die Klassenräume zu verlassen? Ja! Der Gang zur außerhalb des Schulgebäude gelegenen Toilette? Ebenfalls Untersagt! Mitten in diesem Chaos wurde die Einladung zu Henriks 16. Geburtstag von Person zu Person weiterverbreitet und um 16 Uhr trafen fast alle deutschen Schüler, gemeinsam mit ihren Gastbrüdern- und schwersten am ausgemachten Treffpunkt, dem Haus einer chilenischen Mitschülerin ein. Somit würde dieser Tag noch auf eine schöne Art und Weise abgerundet. Was für die Chilenen ein Regenguss bedeutet, ist für uns vergleichbar mit dem teils furchteinflösenden, angespannten, aber auch aufregenden Gefühl während eines Erdbebens. Nur das in einer solchen Situation die Chilenen die Experten sind. Und ja, wir sind uns bewusst, dass dieser Text nur von Regen handelt, doch das war nun einmal das einzig relevante Thema an diesem chaotischen Mittwoch. (Leonore und Celine)

 

Mittwoch, 14.10.2015

Nachdem der Regen abgezogen war, schnappten wir uns Mara und erlebten gemeinsam den Sonnenuntergang am Fuerte Lambert in Coquimbo. (Mandy & Martin)

 

Dienstag, 13.10.2015

Arbeit in den Projekten

 

Montag, 12.10.2015

Día del Descubrimiento de Dos Mundos (Feiertag)

 

Sonntag, 11.10.2015

Nach unserer gemeinsamen zwei Tages Reise kamen wir alle erst spät zurück in unsere Gastfamilien. Dementsprechend war die Müdigkeit groß, als mir meine Gastfamilie eröffnete, dass wir Sonntag morgen um sieben Uhr in das Valle del Elqui, zwei Stunden entfernt, fahren würden. Nachdem wir die gesamte Familie abgeholt und die zwei Stunden Fahrt mit kurzer Pause überstanden hatten, kamen wir auf dem Bauernhof eines näheren Verwandten an. Sowohl Katzen, Hunde, Pferde, Schweine und Hühner leben hier umrahmt von dem wundervollen Panorama des Andengebirges. Die kleine Stadt Horcón hat aber nicht nur ein faszinierendes Landschaftsbild und kleine Bauernhöfe zu bieten, sondern ist besonders für ihre Rodeo Arena bekannt. Für 1000 Pesos, umgerechnet 1,31€, kauften wir eine Eintrittskarte um das Spektakel genießen zu können. Das chilenische Rodeo ist ein sehr typischer und traditioneller Wettkampf, bei dem die sogenannten „Huasos“ (chilenische Landarbeiter) auf Pferden versuchen eine Kuh einzufangen. Nach dem Abendbrot fuhren wir dem Sonnenuntergang entgegen wieder in Richtung La Serena. (Anneliese)

 

Samstag, 10.10.2015Kurzreise, Tag 2

Nachdem es gestern Abend einige bis in die frühen Morgenstunden in den Jacuzzis ausgehalten haben, waren andere beim Frühstück dementsprechend müde. Nichtsdestotrotz machte sich die zweite Gruppe auf den Weg, den Reitausflug zu starten. Die Pferde waren ruhig und brachten alle Schüler ohne Verletzungen wieder zurück. Das Reiten war für viele eine ebenso schöne, wie neue Erfahrung, hat doch besonders die Landschaft eindrucksvoll begeistert. Nach unserer Rückkehr gab es Mittagessen und wir machten uns im Bus auf den Weg in Richtung der Pisco-Brennerei, um von dort zur Stadt Vicuña und zum Observatorium zu gelangen. In der Brennerei wurden wir auf Spanish herumgeführt, was nach dieser kurzen Nacht und dem Ausritt eine echte Herausforderung war. Jedoch wurden wir danach mit ein wenig Pisco beschwichtigt. Leider schmeckte einer dieser lediglich nach Hustensaft. Der Abend war durch einen Aufenthalt in der Stadt und dem darauffolgeneden Ausflug zur Sternenwache geprägt. Dort wurde uns ein sehr interessanter und durch die Teleskope anschaulicher Vortag dargeboten – wirklich sehr eindrucksvoll. (Henrik und Daniel)

 

Freitag, 09.10.2015Kurzreise, Tag 1

Heute Morgen um neun trafen wir uns an der Schule, um unsere Kurzreise zu beginnen. Nachdem der erste Tag, die Tour auf die Isla Damas, aufgrund des hohen Wellengangs vorerst leider nicht stattfinden konnte, haben wir uns umso mehr auf die anderen beiden Tage gefreut. Wir fuhren also los, allerdings gab es erstmal einen Platz zu wenig im Bus, da Carmen, Celines Schwester, spontan mit auf die Reise gekommen ist. Deswegen wechselten wir noch einmal den Bus und hatten danach sehr viel Platz. Wir sind dann ins Valle de Elqui gefahren und machten immer wieder kleine Stopps, wie z.B. an einer Staumauer, an der man auch ein wenig Schnickschnack kaufen konnte. Wir wollten eigentlich auch ein Museum besichtigen, allerdings war dieses geschlossen, weshalb wir zu einem anderen Museum gefahren sind, welches aber ebenfalls geschlossen war. Das war sehr schade. Anschließend gab es ein sehr leckeres und traditionelles Mittagessen in einem kleinem Ort. Danach machten wir uns zu unser Unterkunft auf, diese war wirklich schön. Das hatten wir gar nicht erwartet, da wir es von anderen Klassenfahrten eher nicht so gewohnt waren. Die Pferde für die erste Reiterrunde warteten schon auf uns, als wir ankamen. Also teilten wir unsere Klasse schnell in zwei Gruppen auf und die erste machte sich fürs Reiten fertig. Die anderen freuten sich dafür schon auf die ersten Minuten im Jacuzzi. Wir gehörten zur Reitergruppe. Jeder von uns setzte sich auf eines der Pferde und dann ging es los: Zunächst ritten wir bergauf und anschließend auf der anderen Seite wieder hinunter. Es dauerte ein bisschen, bis wir uns an die Pferde gewöhnt und die Lenktechnik herausgefunden hatten, aber am Ende konnten wir fast alle auf einer geraden Strecke ein bisschen traben oder sogar galoppieren. Nach etwa 2 Stunden kamen wir wieder bei unserer Unterkunft an. Dort hatten die anderen schon ein leckeres Abendbrot für uns vorbereitet: Erst gab es Pisco und Chips, wie es sich für Chile gehört, und dann folgten Brötchen, Salat und Obst. Nach dem Abendessen gingen auch wir nochmal in die Jacuzzis. Es war sehr schön warm, lange konnte man es allerdings nicht aushalten… Nach diesem so erlebnisreichen Tag waren wir alle sehr müde, freuten uns aber schon auf den nächsten Tag unserer schönen zwei-Tages Reise. (Celine, Anna Lea und Sophie)

 

Donnerstag, 08.10.2015

Heute morgen sind wir wie immer mit unseren Gastgeschwistern in die Schule gefahren. Es ist ganz merkwürdig, vor einer Woche war noch alles ganz „neu“ und wir wussten gar nicht, was uns erwarten würde und jetzt fühlt es sich schon ganz alltäglich an. Im Deutschunterricht haben wir das Schulsystem von Chile mit dem von Deutschland verglichen und erfahren,dass die Abschlussprüfung in Chile (PSU) ein reiner Ankreuztest ist! Nach dem Unterricht sind wir alle zu der Schule in Huachalalume gefahren. Dort haben wir weiter mit den Kindern die Mauer gestaltet. Die Mauer wird langsam schön bunt und die Kinder freuen sich immer sehr, uns helfen zu können. Heute haben wir auch den Zaun entrostet und ihn neu gestrichen und wie immer viel mit den Kindern gespielt. Abends haben wir alle das Fußballspiel Brasilien gegen Chile geschaut: In der ersten Halbzeit traf Chile zweimal den Pfosten, aber nach der zweiten Halbzeit stand es 2:0 für Chile – zum Glück. Jeder Versuch wurde bejubelt, denn in Chile stehen alle hinter ihrem Land – ohne Ausnahme. Die Chilenen feiern Fußball mehr als die Deutschen, so sangen sie zum Beispiel immer „ChiChiChi-LeLeLe Viva Chile!“. (Celine, Anna Lea und Sophie)

 

Mittwoch 07.10.2015

Wie am Tag davor nahmen wir heute am Unterricht in unseren angestammten Klassen teil. So hatten wir (Leandra und Clara) zum Beispiel Deutsch. In dieser Stunde bereiteten die Schüler eine Debatte zum Thema „Flüchtlinge in Deutschland“ vor. Wir waren sehr überrascht, dass sich die Chilenen mit dieser Thematik beschäftigten und auch viel darüber wussten. 10:30 gingen wir dann wieder in die Sozialprojekte. An diesem Tag wurden die Gruppen neu aufgeteilt, sodass jeder die 2 Projekte besuchen konnte. Wir hatten uns für heute etwas anderes vorgenommen. Denn bei dem letzten Sommerfest an unserer Schule sammelten wir Spenden für Schulpakete, die wir heute zusammenstellten. Am Dienstag hatten wir nämlich noch Schulmaterial wie zum Beispiel Buntstifte, Radiergummis, Lineale und Kugelschreiber gekauft, sodass wir heute für jedes der 42 Kinder eine Federmappe zusammenstellen konnten. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle, die für unser Projekt gespendet und dieses möglich gemacht haben. (Leandra und Clara)

 

Dienstag 06.10.2015

Am zweiten Tag in den Projekten gingen wir wieder mit Elan ans Werk. Im Altenheim wurden fleissig die Wände bemalt mit einheimischen Motiven, die sich die älteren Menschen gewünscht hatten. Als tägliches Ritual kauften Frau Nickel und ich im Construmarc, einem Baumarkt mit gemütlichen Verkaeufern, ein. In Huachalalume wurden wir mit Freude empfangen, alle wollten mitspielen, mit uns malen, mit uns rumalbern. Dabei zeigten sich durchaus grosse Talente im Bemalen der muro (Mauer). Sollte es also schwierig werden mit der Künstlerkarriere in Deutschland, dann gibt es hier noch viele Flächen fuer murales (grosse Wandbilder, die typisch sind für Lateinamerika). (Mandy)

 

Montag 05.10.2015

Am Montag früh gingen wir, wie gewohnt, in die deutsche Schule von La Serena. Nach 3 Stunden Unterricht war für uns der Schultag schon zuende, denn heute begannen wir mit der Einführung in die Sozialprojekte. Nicht weit von unserer Schule liegt das Altenheim fuer Alzheimer- und Alters-Demenz-Patienten „Las Rosas“ – dort engagierten sich an diesem Tag 8 Schüler aus unserer Klasse. Ziel war es, einen ersten Eindruck von der Einrichtung zu bekommen und erste Entwürfe der Wandbemalung zu entwickeln. Mit dem Bus fuhren die restlichen zwei Drittel zu einer kleinen Grundschule der Mapuche-, Diaguita- und Aymara in Huachalalume. Als der Bus in die Einfahrt fuhr, standen schon fast alle 42 Grundschüler da, winkten, lachten und konnten es kaum erwarten, uns alle aus dem Bus steigen zu sehen. Sie waren sehr neugierig und sprachen uns meist mit: „¿Cómo te llamas?“ oder mit „¿Cómo estás?“ an. Es dauerten keine fünf Minuten, schon standen sechs Mädchen um mich herum, die meine Haare flechteten. Den Jungs wurde das Fußballfeld gezeigt, währenddessen die kleinen chilenischen Mädchen mit uns „Händeklatschspiele“ spielten, tanzten und uns über den kleinen Schulhof führten. Es machte uns glücklich, wie sie sich über unsere Anwesenheit freuten. „Una flor con muchos mariposas“ – eine Blume mit vielen Schmetterlingen sollte ich malen, das war der Wunsch eines Jungen, der mir ein weißes Blatt hinhielt. Viele von uns waren beschäftigt, mit den kleinen Chilenen bunte Bilder zu malen, die sie dann stolz allen anderen zeigten. Bei unserem sozialen Projekt, möchten wir zum einen Zeit mit den Kindern verbringen, zum anderen mit kleinen Aktionen den Schulzustand verbessern und somit das Leben und Lernen der Schüler verschönern. Wir befragten einige Schüler nach Dingen, die nach ihrer Meinung in der Schule fehlen und erstellten darauf hin eine Einkaufsliste. Von mangelnden Spitzer, Buntstiften über einen neuen Fußball war alles dabei. Zudem putzten wir eine weiße Mauer, die wir in den nächsten Tagen bunt gestalten werden und einige rissen ein älteres Spiel-Haus ein, das bald neu aufgebaut werden sollte. Es gibt viel zu tun, denn es ist eine wirklich einfache und kleine Schule. Besucht wird sie von Kindern aus armen Verhältnissen, unteranderm von Kindern der Mapuche und Aymara Stämme. Zum Teil machte sich das z.B. an Hand der Kleidung (auch wenn sie alle eine Schuluniform tragen) bemerkbar. Wir alle hatten sie sofort in unsere Herzen geschlossen, waren zwar ziehmlich geschafft von dem Tag, gleichzeitig verzaubert von der Lebendigkeit und Liebe, mit der die Kinder uns entgegen kamen. Zum Abschied umarmten sie uns, es gab viele viele „Besitos“ auf die Wange und sie winkten wieder, als der Bus das Gelände verließ. (Clara)

 

Sonntag 04.10.2015

An diesem Sonntag bin ich mit meiner Gastfamilie in die kleine Bergstadt und Wallfahrtsort Andacollo gefahren. Dort findet immer einmal im Jahr ein Fest zu Ehren und Anbetung der Heiligen Maria statt. Andacollo liegt 1053 m hoch und ist circa 50 km von La Serena entfernt. Man erreicht den Ort eine schmale Straße mit zahlreichen Serpentinen. Andacollo hat ungefähr 10000 Einwohner und besitzt eine Große Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Das besagte Wallfahrtsfest findet einmal immer Jahr statt. Der Legende nach soll ein Mann im 17. Jahrhundert eine Marienfigur, die Jungfrau von Andacollo, deren detailgetreue Nachbildung auch heute noch in der Kirche zu sehen ist, auf dem Berg gefunden haben. Auf dieses göttlich Zeichen hin wurde dort eine große Kirche gebaut. Diese besteht zum größten Teilen aus Holz und ist sowohl innen als auch außen bunt verziert. Seit vielen Jahren wird nun dieses Fest gefeiert. Heute waren etwa hunderttausend Menschen dort: Sogenannte „chinos“ tanzen zu lauter Pauken- und Blasmusik in Kostümen, die die Kleidung der Ureinwohner Südamerikas nachahmen soll, das ganze Wochenende durch. Bei diesen Tänzen hüpfen und springen sie im Takt der Trommeln. Dabei beten sie die gesamte Zeit zu Maria und Gott, dass diese ihre größten Wünsche erfüllen und ihre Fürbitte für ihre Lieben erhören sollen. Eine weitere Form des Gebets ist es auch, auf dem Boden der Kirche von Eingang zum Altar auf den Knien zu kriechen und dabei zu bitten. In einer Straße neben der Kirche sind unzählig viele Stände aufgebaut. Diese verkaufen kleine Haushaltsartikel, Spielzeuge, Cds und typische Backwaren. Auf dem Rückweg haben wir uns von einem Aussichtspunkt noch eine Mine angeschaut. Diese ist ganz in der Nähe von Andacollo und fördert seit 20 Jahren täglich viele Tonnen Kupfer. Von diesem Punkt aus hat man einen unbeschreiblich schönen Blick auf die schneebedeckten Berge der Anden. (Chiara)

 

Sonntag 04.10.2015

Der Frey Jorge Nationalpark „esta cerca“ (ist nicht weit weg von hier). In einem Land wie Chile, dem längsten der Welt, werden Entfernungen schon immer anders wahrgenommen als in Deutschland. Ein Lehrstück diesbezüglich erlebten wir mit Lorenzis, Christophs Gastfamilie, der Jena ebenfalls durch einen Schüleraustausch mit ihrem Sohn bestens bekannt ist. Wir fuhren zunächst die Panamericana entlang Richtung Süden, dann borgen wir ab nach rechts. Eine staubige Rüttelpiste führte uns in Richtung Pazifik. Aus einer halben Stunde geplanter Fahrzeit wurden zwei Stunden mit bangen Blick auf die Tankanzeige. Denn eine Tankstelle gibt es im Umkreis von mindestens 100 km nicht. Dafür freilaufende Ziegen und Schafe zwischen den Kakteen soweit das Auge reicht. In diesem Jahr blüht die Steppe in leuchtenden Farben. Es hatte in den vergangenen Wochen ungewoehnlich viel geregnet. Am Ende liessen wir unseren Mietwagen stehen und legten die letzten Kilometer mit dem Jeep von Lorenzis zurück. Zum Glück, denn an den steilen Anstiegen blieben die PKWs hängen. Die Besonderheit dieses Nationalparks ist das kleine erhaltene Stück Küstennebelwaldes. Durch dieses führt ein schmaler Pfad, mit Ausblicken auf den Pazifik im Westen und die schneebedeckten Anden im Osten. Am Ende des Tages schaffte es die „coche de profes“ mit dem letzten Tropfen Spritt zur ersten Tankstelle nach Coquimbo. (Mandy)

 

Samstag 03.10.2015

Die Zerstörung ist überall sichtbar. Es muss eine unglaubliche Wucht gewesen sein, mit welcher der Tsunami auf die Küste von Coquimbo traf. Grosse Schiffe wurden auf die Strassen weit hinter dem Fischmarkt geschleudert, Autos, Busse und LKWs zerquetscht und Häuser zerstört. Die Armen hat es wie so oft am stärksten getroffen. Der Fischmarkt von Coquimbo existiert nicht mehr. Die Jahre zuvor haben wir regelmässig die Leckereien der ansässigen Fischer genossen, haben viele Markthändler wiedergetroffen und Cebiche verkostet mit den Schülern. All das ist nicht mehr vorhanden. Als wir durch Coquimbo liefen, konnten wir die Bilder nur schwer verarbeiten. Doch die Menschen stehen wieder auf, sie versuchen so schnell wie möglich zum Alltag zurückzufinden. Einige Fischer und Händler haben sich in Gruppen (sindicatos) zusammengeschlossen und versuchen mit kleinen Zelten Essen zu verkaufen, dass sie auf provisorischen Kochstellen zubereiten. Als wir mit einer der Gruppen ins Gespräch kamen, haben wir uns spontan entschlossen, sie mit einem neu gekauften Tisch und Stühlen bei der Selbsthilfe zu unterstützen. Der Tisch war sofort mit neuen Gästen besetzt. Auch ihr Humor ist langsam wieder spürbar. So scherzte ein alter Fischer als die Pfanne leer war, es könne mal wieder ein Tsunami kommen, der frischen Fisch an Land spült, denn schliesslich seien ihre Schiffe zerstört. Es ist ein schönes Gefühl, wenn Hilfe sofort erkennbar ist. (Mandy)

 

Samstag 03.10.2015

Nach den großen Feierlichkeiten in der Schule am vorherigen Tag begann der nächste Tag für mich mitten in der Nacht. Ich wurde durch ein Nachbeben mit einer Stärke von 6,2 geweckt. Zuerst hatte ich ein wenig Angst, doch als ich schließlich meine Gastfamilie im Wohnzimmer auffand und ich merkte, dass sie relativ entspannt waren, wusste ich dass es hier normal ist und ich mich nicht fürchten muss. Morgens wachte ich dann auf und gratulierte zunächst meiner Gastmutter und dem Bruder meines Gastschülers. Das bedeutete, dass heute Vieles zu feiern gibt. Schließlich kamen auch schon die ersten Freunde des Bruders und die Vorbereitungen auf das Essen liefen. Nach und nach trafen die Gäste mit riesigen Geschenken ein. Als großes Festmahl gab es, wie es nicht anders zu erwarten war, Fleisch vom Grill. Während des Essens redeten so viele Leute durcheinander, dass es verwunderlich war, dass sie sich verstehen. Das einzige was ich nur hörte war „Quieres mas carne?“. Letztendlich war es ein Tag voll mit Gesprächen. Ich erfuhr etwas über die chilenische Kultur und erzählte etwas über die deutsche Kultur. Nun steht das Wochenende an und wir alle hoffen, dass es ein Interessantes mit unseren Gastfamilien wird und sind gespannt was wir erleben werden. (Christoph)

 

Freitag 02.10.2015

Nach so viel Aufregung, neuen Impressionen und Bekanntschaften dachten wir am 2.Oktober nicht an die Geschichte Deutschlands. Nicht so aber die Chilenen der Deutschen Schule in La Serena… da die Familien am Wochenende für sich Zeit haben sollen, wurden die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit einfach um einen Tag vorverlegt. Und so gingen wir nur kurz zum Unterricht, um uns danach mit dem Rest der Schule auf dem Schulhof zu treffen und das von den Schülern und Lehrern aufgestellte Programm anzuschauen. Das Fest begann sehr emotional mit den 2 Nationalhymnen (zu diesem Zweck hatten wie extra noch die deutsche Nationalhymne auswendig gelernt) und einer Begrüßung durch den sehr herzlichen Schulleiter. Dann gab es verschiedene musikalische und tänzerische Darbietungen, so tanzten die ersten Klassen zum Beispiel den Tausendfüßler Tipp Tapp Tapp-Tanz und die vierten Klassen traditionelle deutsche Volkstänze in hübschen Trachten. Für uns Schüler war es etwas befremdlich was für ein Bild die Chilenen von Deutschland haben, es erschien uns etwas veraltet und stark bayrisch angehaucht – wir können nun wirklich nicht alle Schuhplattler, nicht wahr? Außerdem wurde uns noch in sehr gutem Deutsch ein Gedicht über die Wiedervereinigung Deutschlands vorgetragen und nachdem Frau Liebetrau und Herr Schütze noch etwas zu ihren Erfahrungen im geteilten Deutschland gesagt haben, endeten die Festlichkeiten mit der Schulhymne, bei der dann noch einmal alle mitsangen. Anschließend hatten wir noch 2 Stunden Unterricht mit unseren Mitschülern, zu denen sich schon so manche Freundschaft entwickelt – schon jetzt merken wir, dass wir uns immer besser mit Ihnen verständigen können… und wir hoffen sehr unsere Sprachkenntnisse in den nächsten drei Wochen zu optimieren. Des Weiteren haben wir uns schon so gut eingelebt, dass es den meisten von uns nicht so vorkommt, als wären wir erst 2 Tage in La Serena. (Leandra)

 

Donnerstag 01.10.2015

Es ist schwer zu fassen, dass wir jetzt wirklich hier sind! So lange haben wir uns schon auf diese Reise gefreut und nun befinden wir uns tatsächlich tausende Kilometer von zu Hause entfernt, am anderen Ende der Welt, in Chile. Als wir gestern nach unserer unfassbar langen Anreise endlich in La Serena-Coquimbo eintrafen, erwarteten uns bereits mit freudigem Gejubel und bunt beschriebenen Plakaten die Austausch-Familien. Wir machten im Verlaufe des Abends bereits erste Bekanntschaft mit der Gastfreundschaft der Chilenen. Sie waren unheimlich freundlich und zuvorkommend und die meisten von uns fühlten sich gleich wohl. Am Morgen trafen wir uns alle im „Colegio Alemán“ und wurden in unterschiedliche Klassen aufgeteilt. Schnell wurde uns klar, dass Schule hier ganz anders abläuft. Der Unterricht ist viel entspannter. Man hat das Gefühl, dass jeder machen kann, wozu er Lust hat. Ob mit dem Handy Musik hören, quatschen oder einfach aufstehen und den Raum verlassen, in manchen Stunden scheint alles erlaubt zu sein. Lernen muss dann wirklich nur derjenige, der das auch möchte. Alle Schüler und Lehrer waren sehr freundlich zu uns (bis auf eine Philosophie Lehrerin, die anscheinend nicht so begeistert war, dass einige deutsche Schüler ihrem Unterricht nicht folgen konnten ;)). Auch die Mittagspause war ziemlich kurios. Man kann sich zwar auch Essen in der Kantine kaufen, doch die meisten Schüler bringen sich in riesigen Boxen ganze Menüs mit, die sie anschließend in einer der vielen Mikrowellen aufwärmen. Einige Mütter spielen sogar jeden Tag „Essen auf Rädern“, damit ihre Schützlinge etwas warmes zu essen bekommen. Für den Großteil von uns war es völlig unmöglich, alles zu schaffen, was man uns mitgegeben hatte. Im Rahmen dieser Pause lernten ein paar von uns auch einige kleine Zweitklässlerinnen kennen, die unheimlich niedlich waren. Sie könnten schon eine ganze Menge deutscher Wörter und freuten sich sehr, diese vor uns präsentieren zu können. Die Aussprache war für ihre zarten 7 Jahre schon wirklich beeindruckend. Bis halb vier blieben wir in der Schule. Anschließend sollten wir gemeinsam ins Zentrum von La Serena fahren. Nach einigen hundert Metern zu Fuß zeigte sich jedoch, dass es vielleicht nicht schlecht gewesen wäre, mal durchzuzählen…Daniel fehlte :-) Als wir dann vollständig waren, ging es mit einer Art Sammeltaxis („Colectivos“) endlich in die Stadt und besichtigten unter anderem den „Plaza de Armas“. Die Sonne war sehr stark und viele hatten am Ende des Tages schon ganz schön Farbe bekommen. Besonders lustig waren heute die Erzählungen über Verständigungsprobleme und Versprecher vor den Gastschülern. So teilte beispielsweise eine Schülerin ihrer Familie auf Spanisch mit, dass wir 42 Jahre unterwegs gewesen wären, jemand verneinte die Frage „¿Cansada?“ („Müde?“) und antwortete mit seinem Namen und ein weiterer sagte „Veo mis cumpleaños.“ („Ich sehe meine Geburtstage.“), obwohl er eigentlich mitteilen wollte, dass er seine Klassenkameraden sehe („compañeros“). Wir hoffen, dass die Verständigung jetzt von Tag zu Tag besser klappen wird :-) (Constanze E., Constanze H. und Mara)

 

Mittwoch 30.09.2015Llegamos finalmente!

Nach 43 Stunden spannender Reise sind wir fast am Ziel. In wenigen Sekunden wird die Ampel am Busbahnhof in La Serena auf grün schalten, der Bus um die letzte Kurve biegen und dann sind wir da. Wird jemand auf uns warten? Wir haben insgesamt sechs Reise-Etappen hinter uns. Zunächst mit dem Bus nach Berlin, dort einchecken und nach den Sicherheitskontrollen auf nach Amsterdam. Unser Maskottchen Pinki musste als einziges zur Leibesvisitation in die blickdichte Kabine. Der Flug nach Amsterdam, für manche der erste ihres Lebens, verlief ruhig. Als wir auf dem Flughafen in Amsterdam dann zu Gate 22 wanderten, wurde uns immer bewusster, dass wir dabei waren, Europa zu verlassen und jenseits des Atlantiks das große Abenteuer so richtig beginnt. Im Flugzeug wurde dann auch schnell klar, dass es in 11 km Höhe holprige Feldwege gibt. Bumpy sei der Flug aufgrund von Turbulenzen vorallem über dem brasilianischen Regenwald und Uruguay. Nach 14 Stunden Flug mussten wir in Buenos Aires tanken und so gönnten wir uns die erste Empanada unserer Reise bereits in der argentischen Hauptstadt. Und dann ging es auf die letzte Flugstrecke. Aus den schneebedeckten Andengipfeln ragte der knapp siebentausend Meter hohe Aconcagua heraus. Es kam uns vor, als würden wir mitten durch das Gebirge fliegen, die von der Sonne angestrahlten Bergspitzen zum Greifen nah. Auf dem sehr ruhigen Flug konnten wir fast alle am Fenster sitzen und somit nicht nur den Ausblick auf die Anden genießen, sondern auch den Anflug auf Santiago. Endlich chilenischen Boden unter den Füßen. Am Flughafen warteten wir gespannt am Gepäckband. Hatten unsere Koffer und Rucksäcke diese vielen Zwischenstationen gemeistert? Ja, alles da und weiter konnte es gehen. Mit dem öffentlichen Bus zum Busbahnhof Alameda. Auf dem Weg bereits erste Eindrücke von der chilenischen Hauptstadt. Straßen mit verwirrender Verkehrsführung, Straßenhändler mit Balons, Plüschblumen, Bettwäsche und Smartphonetaschen, dampfende Garküchen vor gläsernen Hausfassaden und kleine Cafeterias an der Ecke. Arm neben Reich. Da wird am Busbahnhof noch vier Stunden Aufenthalt hatten und die Tickets bereits in der Hand hielten, konnten wir noch eine kleine Entdeckungstour in die Umgebung unternehmen. Begleitet von Frau Liebetrau liefen wir bis zur Estación Central, dem Hauptbahnhof Santiagos. Auf dem Weg probierten wir Mote con Huesillos – eine typische Speise aus Chile. Aufgegossene Getreidekörner mit einem eingelegten Pfirsich, testeten uns durch die Empanada Auswahl und versorgten uns mit erfrischenden Getränken. Sieben Stunden entlang der Panamericana lagen noch vor uns. Wir fuhren zunächst aus Santiago Richtung Küstenkette, alles war grün und die Bäume mischten sich langsam mit großen Säulenkakteen. Die zunehmend steilen Straßen quälten sich schwerbeladene LKWs hinauf. Nach den Bergen der Cordillera de la Costa öffnete sich der Blick auf den Pazifik. Nebel zog an der Küste auf. An menschenleeren Stränden brandeten die Wellen des Ozeans. Jetzt nur noch nach Norden, den Pazifik immer auf der linken Seite und die Anden auf der rechten. Bis in die Region Coquimbo. (Mandy)

 

Dienstag 29.09.2015Endlich ist es soweit! Chile  wir sind bereit.

Heute morgen geht´s los nach zwei Schuljahren der Vorbereitung voller Anstrengungen. Wir stehen vor unserer Schule in Jena mit unseren gepackten Taschen und fühlen wie sich in uns Freude, Anspannung und Ungewissheit miteinander vermischen. Wir haben seit der neunten Klasse auf diesen Tag hingearbeitet, Höhen und Tiefen als Chile-Team durchgestanden und nun geht es endlich los – auf nach Lateinamerika. Wir wollen Chile entdecken, das Land und seine Menschen. Wollen endlich zu unserer Partnerschule in La Serena. Sind voller Vorfreude, Erwartungen, aber auch Aufregung vor der Begegnung mit den Gastfamilien. Dort werden wir erwartet. Doch was erwartet uns?

Als am Abend des 16.9.2015 die Erde in Chile bebte und das starke terremoto (8,4) einen Tsunami auslöste, der vor allem die Küste von La Serena und Coquimbo in Mitleidenschaft zog, stand plötzlich noch einmal alles in Frage. Bange Stunden des Wartens auf Nachricht von unseren Partnern in La Serena folgten. Geht es allen gut? Wie ist die Lage? Dann die Entwarnung von Seiten der Koordinatorin. Die „Erdbebenkultur“ der Chilenen, wie sie es nennt, hat ihnen eine reibungslose Evakuierung in Rekordzeit ermöglicht, alle Gastfamilien sind wohlauf und die Lage ist unter Kontrolle. Aber es gibt durch die Ereignisse noch mehr zu tun. Schwere Schäden sind zu verzeichnen entlang der Küste. Hilfe wird dringend gebraucht, denn durch den Tsunami wurden vorallem die armen Familien, die in den tiefer gelegenen Regionen wohnen, schwer getroffen. Teilweise haben sie das wenige, was sie besaßen, durch die Fluten komplett verloren. Alle wissen, dass wir keine ausgebildeten Helfer sind, dass wir uns nicht selber in Gefahr begeben werden. Aufräumarbeiten überlassen wir den Profis des chilenischen THW. „Aber es gibt für euch viel zu tun – mit euren Händen (kochen, streichen, zusammenbauen) aber auch mit euren Herzen.“, so sie Einschätzung unserer Partner für die Sozialprojekte. Zuspruch und auch mal eine interessante Ablenkung sei jetzt gerade für Kinder sehr wichtig. Also, dann los. Wir kommen! In den Bus nach Berlin, dann mit der KLM nach Amsterdam, anschließend nach Santiago mit einem kurzen Tankstop in Buenos Aires. Dann betreten wir chilenischen Boden. In der Hauptstadt geht es anschließend zum Fernbus-Terminal und auf nach La Serena über die Panamericana, durch Wälder aus Säulenkakteen, entlang am Pazifik. (Mandy)

 

Sonntag 15.03.2015 – Kulinarische und musikalische Genüsse beim Silberhochzeit-Catering

Gestern Abend waren wieder viele von uns gefragt bei einem Catering im katholischen Gemeindehaus. Für die Silberhochzeit von Familie Gerke verköstigten wir mit einem warm/kalten Buffet 60 geladene Gäste. Nach einem Sektempfang gab es die erste musikalische Einlage mit Gitarrenklängen. Anschließend schlemmten sich die Gäste durch das reichhaltige Angebot. Die Herausforderung am Buffet bestand darin, zu entscheiden, welche Leckerei in welcher Reihenfolge verzehrt werden sollte. Couscous-Salat, gefüllte Blätterteigtaschen, andalusischer Gemüsekuchen, Wraps, Datteln im Speckmantel, Avocado-Salat, Italienische Nudelpfanne, Indisches Saag oder doch lieber Lachs mit Sahnesoße? Hauptsache, es war noch Platz für die Nachspeisen wie Tiramisú, Brownies, Elsässischer Apfelkuchen oder Mango Mousse, Himbeerspeise oder veganer Pflaumenkuchen. Ach, da bekommt man doch jetzt schon wieder Hunger… Nach dem Essen gehörte Lorenz Klavierspiel die Bühne. Aufgrund des begeisterten Publikums durfte er gleich nochmal ran. Auch vom Servicepersonal Tim, Max und Frieder unterstützt von Martin und deren Aufmerksamkeit für die Gästewünsche waren alle sehr angetan. (Mandy)

 

Freitag 6.03.2015

In den vergangenen Monaten gab es richtig viel zu tun. Wir haben für Caterings gekocht und gebacken – leckere Sachen für warm/kalte und Fingerfood Buffets. Am schwersten war, dass wir selber nichts vom Buffet kosten durften, denn die Gäste sollten die Leckereien schließlich bekommen. Geburtstage, Familienfeiern, Silberhochzeiten, Lesungen, Sommerfeste und Weihnachtsfeiern haben wir gemeinsam mit Frau Liebetrau, unterstützt von Eltern und Martin schon becatert. Mittlerweile sind wir ein recht eingespieltes Team. Außerdem hat Lorenz Konzerte gegeben und viele von uns bei Feiern im Service geholfen. Neben unseren gemeinsamen Projektaktivitäten haben die meisten noch kleine Nebenjobs mit denen sie ihren Anteil erwirtschaften. Zudem haben wir auch schon viele Spenden eingesammelt, die wir natürlich direkt in die Projekte in La Serena bringen. Aus La Serena hatten wir von Oktober bis vor wenigen Tagen auch Besuch – Gastschüler aus dem Colegio Alemán, unserer Partnerschule in La Serena waren in Jena zu Gast und haben bei uns in Gastfamilien gewohnt. In unserer Klasse lernte Thomas mit, der schnell zu uns gehörte. Er hat bei Anna Lea und Carlos gewohnt. Besonders beeindruckt waren wir, als er ganz schnell Texte auf Spanisch vorgelesen hat und wir eine Vorahnung bekamen, was uns in Chile erwartet. Kurz vor seiner Abreise haben wir bei Anna Lea eine große Abschiedsparty für Thomas veranstaltet. Allerdings ist uns der Abschied nicht so schwer gefallen, denn wir sehen Thomas ja schon im Oktober wieder – wie schön.

Ab dieser Woche stehen nochmal einige Caterings an. So hatten wir am Dienstag ein Catering für eine Geburtstagsfeier und heute verköstigen wir mittags, nachmittags und abends eine Tagung im Polaris in Jena Nord. Nächste Woche haben wir auch eine Geburtstagsfeier und am Wochenende eine Silberhochzeit auf dem Programm – wir sind eben gefragt.

Unsere Reise rückt immer näher und die Vorfreude steigert sich. Diese Woche habe ich mit Unterstützung von Frau Kircher und ihrem Reisebüro zudem die Flugtickets reserviert – jetzt steht es fest: Wir fliegen am 29. September 2015 von Berlin über Amsterdam nach Santiago de Chile mit der KLM Fluggesellschaft und dann geht’s weiter mit dem Bus nach La Serena – Wahnsinn, wir haben tatsächlich einen Flugtermin und gehen fast vier Wochen auf Austausch- und Projektreise nach Lateinamerika. (Mandy)